Wie ich 4 Jahre Montagsdemo erlebt habe
Vorwort
In der taz (Die Tageszeitung) stand einmal ein interessantes Zitat drin: „Kein Journalist hat die Möglichkeit komplexe Ereignisse, die über Jahre gehen zu beschreiben ohne das der Bericht von der eigenen Meinung beeinflusst wird.“.
Deshalb werde ich auch erst gar nicht versuchen einen objektiven Bericht zu schreiben, sondern stattdessen möglichst genau berichten, was ich gesehen, gehört und gedacht habe.
Der kritische Leser kann und soll danach selber herausfinden was für ihn wahr ist.
Vor ca. 4 Jahren habe ich durch Zufall an einer Hauswand einen Zettel gesehen wo mit Eddingstift geschrieben stand: Demo gegen Sozialabbau Montag Alex Rotes Rathaus 18:00 Uhr. Sonst stand auf dem Zettel nichts mehr drauf. Zuerst habe ich gedacht irgendwelche Leute, die Langeweile hatte, haben den Zettel geschrieben um Leute zu verarschen.
Trotzdem bin ich um ca. 17:30 Uhr am Roten Rathaus gewesen und war völlig überrascht, dass schon knapp 100 Leute da gewesen sind.
Auf der 1. Demo habe ich dann erfahren, dass ein Hartz-Gesetz in Planung ist. Leider wusste niemand so ganz genau was sich ändern könnte. Nur so viel das Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger in Zukunft weniger Geld, dafür aber mehr Schikanen erhalten.
Außerdem habe ich erfahren, dass es eine MLPD Partei gibt und die Leute da ganz böse sind. Warum die MLPD-Leute so böse sind konnte mir aber auch niemand so richtig erklären.
Auf der 2. Demo habe ich dann erfahren, dass es angeblich eine MLPD gesteuerte Montagsdemo gibt. Es soll sich aber angeblich nicht lohnen dahin zu gehen, weil die Leute da böse sind und nur Scheiße erzählen.
Auf der 3. Demo habe ich dann erfahren, dass die MLPD-Demo zeitgleich an der Weltzeituhr sattfindet. Aber man sollte da nicht hingehen, weil diese Leute sehr gefährlich sind und nur lügen.
Soviel negative Kritik hat mich dann doch neugierig gemacht und ich bin zum ersten Mal auf die richtige Montagsdemo gegangen, die sich damals noch „Montags gegen 2010“ nannte.
Mir ist positiv aufgefallen das die Band „Nümmes“ und „Paradoxon“ live gespielt haben. Das es ein offenes Mikrophon gab (in dessen Nähe ich mich damals nicht getraut habe). Das die Moderation und fast alle Redebeiträge sehr professionell herüberkamen.
Besonders fasziniert haben mich damals die Moderation von Felix Weitenhagen und die Redebeiträge von Fred Schirrmacher über unseren verlogenen, korrupten und neoliberalen Politiker.
Es war alles perfekt, fast schon zu perfekt, doch plötzlich erschrak ich sehr: da wollten einige Leute den „wahren Sozialismus“, soweit war ich damals noch nicht. Ich wollte doch nur, dass das Hartz IV-Gesetz nicht in Kraft tritt und einen sozialen Kapitalismus. Sozialismus wollte ich auf keinen Fall, erst recht keinen „wahren“. Dann fielen mir auch wieder die Warnungen von den Attac-Leuten ein.
Weil ich 30 Jahre gut gelebt hatte, habe ich an den Kapitalismus geglaubt. Ich war hin und hergerissen. Dann habe ich für mich entschieden, dass ich so lange demonstriere bis Hartz IV vom Tisch ist, aber den Kapitalismus nicht verraten will.
Ich ging danach jeden Montag mit gemischten Gefühlen zur Demo. Eines Tages war im Gespräch, das wir zusammen mit den Attac-Montagsdemonstranten zum Brandenburger Tor gehen wollen.
Dann kam der verhängnisvolle Tag, der alles in mir verändert hat.
Am 20.09.2004 gingen wir zusammen mit der Attac-Montagsdemo und ver.di die Straße Unter den Linden Richtung Pariser Platz. Ich war in der Nähe des Lautsprechers, die Stimmung war ausgelassen und kämpferisch, als die Attac-Leute den Pariser Platz betraten. Als wir von der echten Montagsdemo den Platz betreten wollten, blockierten uns plötzlich die Lautsprecher von der FAU und verhinderte so das wir mit unserem Lautsprecher nicht auf den Platz fahren konnten.
Die Situation war plötzlich sehr unübersichtlich. Unsere Moderation forderte die Bullen auf sich zurückzuziehen. Wir wurden von der Moderation aufgefordert den Lautsprecher zu schützen. Daraufhin habe ich mich an einem Brett des Lautsprechers festgehalten. Die Bullen gingen sehr brutal nur gegen die echten Montagsdemonstranten vor.
Dann rissen mir mehrere Bullen die Beine weg und ich hatte keine Bodenhaftung mehr und hielt mich mit eiserner Kraft am Brett des Lautsprechers fest. Während ich hilflos mit ansehen musste, wie die Bullen mit rücksichtsloser Gewalt den Lautsprecher stürmten. Mir tat besonders das halbblinde Bandmitglied von „Paradoxon“ leid. Wenn ich nicht losgelassen hätte, hätten die Bullen mir wahrscheinlich die Arme rausgerissen. Kurz nachdem ich losgelassen hatte flog ich in hohem Bogen durch die Luft und knallte hart auf die Straße auf wo ich mich an beiden Knien und beiden Ellbogen verletzt. Ich blieb ein paar Minuten liegen, ich hatte genug wärend die Straßenschlacht weiterging. Als ich nach einiger Zeit wieder aufgestanden bin und zu dem Demonstranten gehumpelt bin der mir am nächsten stand. Musste ich erfahren, dass die Bullen auf dem Lauti erheblichen Sachschaden angerichtet hatten und mehrere Leute verhaftet hatten. Ich blieb aus Solidarität noch eine Weile stehen und forderte mit den anderen Montagsdemonstranten die Freilassung unserer Leute was irgendwann geschah. Anschließend humpelte ich zur S-Bahn, ich war sauer auf die Bullen, unseren Bullenstaat und besonders auf die falschen Attac-Montagsdemonstranten, die den Polizeiübergriff veranlasst haben.
Ich war sogar so sauer, dass ich vor Schreck vergessen habe, dass manche besonders linken Montagsdemonstranten meines damals noch heißgeliebten Kapitalismus abschaffen wollten und durch den von mir gefürchteten „echten Sozialismus“ ersetzten wollen.
Auf der nächsten Montagsdemo erfuhr ich dann, dass von den vorübergehend verhafteten Montagsdemonstranten die Personalien aufgenommen wurden. Zumindest von einem Ordner weiß ich, dass er anschließend eine Anzeige wegen Wiederstand gegen Staatsgewalt erhalten hat. Wie viel er am Ende zahlen musste weiß ich nicht. Ich kann mich nur daran erinnern, dass wir für ihn gesammelt haben.
Nach dem Überfall hat die Band „Paradoxon“ nie wieder auf der Montagsdemo gespielt. Was ich sehr schade gefunden habe.
Für mich war die Sache klar: Jetzt wollte ich auf der Montagsdemo richtig Gas geben. Ich fragte bei der nächsten Montagsdemo ob noch Unterstützer gebraucht werden. Kurz danach wurde ich zur Ordnerschulung eingeladen. Hier wurde ich zur Ordnerschulung eingeladen. Hier wurde ich in die Grundsätze der Montagsdemo eingeweiht und was noch wichtiger war, wie wir uns in welcher Situation richtig verhalten. Dazu muss man wissen, dass die Montagsdemo damals noch riesengroß war. Deshalb hat man damals mehrere Ordnerteams gehabt, die verschiedene Aufgaben hatten. Ich war nun fest im Ordnerteam Lautsprecherwagen und weil ich zufällig mal kurz arbeitslos war habe ich den Wagen vor der Demo aufgebaut und nach der Demo abgebaut. Das ganze war sehr zeitaufwendig. Wir haben uns im Treff getroffen und haben Schilder, Transparente und Flugblätter aufgeladen. Danach sind wir nach Treptow gefahren und haben Instrumente Lautsprechergenerator die kleine Zielkarre und andere Dinge aufgeladen. Danach sind wir zum Alexander Platz gefahren und haben Alles aufgebaut. Nach der Demo haben wir Alles eingepackt und haben uns meistens auf dem Weg nach Treptow verfahren, weil auf der Montagsdemo jedesmal noch gelaufen wurde und die Abschlusskundgebung immer woanders stattfand.
Das auf und abladen der Geräte in Treptow war immer besonders aufwändig wenn der einigste Fahrstuhl wiedermal besetzt oder kaputt war. Danach sind wir in den Treff gefahren und haben die restlichen Sachen in den Keller gebracht. Meistens war es dann so spät das es sich nicht mehr gelohnt hat ins „Max & Moritz“ zu fahren, wo die Nachbesprechung stattfand. Außerdem war die Kneipe zu teuer.
Irgendwann habe ich wieder Arbeit gehabt und konnte beim auf und abbauen leider nicht mehr so lange helfen. Damals hat es noch in fast allen Bezirken Stadtteilkomitees gegeben. Leider haben die meisten nur endlos diskutiert und nicht viel getan. Nur ein Stadtteilkomitee hat mehr Aktionen durchgeführt als diskutiert, nämlich das in Marzahn. Deshalb bin ich damals, zumindest in der Zeit als ich noch arbeitslos war, einmal in der Woche von Reinickendorf nach Marzahn gefahren. Wir haben mindestens einmal im Monat eine Aktion auf der Straße gemacht. Irgendwann haben wir im Stadtteilkomitee eine Art Pressesprecherin gewählt, die den Auftrag hatte Berichte zu schreiben und den Kontakt zur Montagsdemo und anderen Gruppen zu halten. Wir haben alle versprochen sie dabei zu unterstützen und selber was zu schreiben. Ich persönlich habe damals einen langen und kritischen Bericht zu der von den ganz linken Montagsdemonstranten viel zitierten Arbeiterbewegung gemacht. Der im Komitee sehr gut ankam. Unsere Pressesprecherin war übrigens die gleiche Frau die Ordnerteamleiterin vom Lauti war. Außerdem habe ich im Stadtteilkomitee noch den Lagerverwalter vom Bündniskeller kennengelernt. Der auf Grund einer leichten Behinderung mit dieser Aufgabe offenbar überfordert war. So wurde ich stellvertretender Lagerleiter. Im Winter hat die Montagsdemonstration immer im November im Stadthaus Böckler Park der Geburtstage der Montagsdemo gefeiert.
Da haben dann immer verschiedene Bands gespielt es wurden Gedichte vorgelesen und Theater gespielt. An ein besonderes Theaterstück kann ich mich heute noch erinnern. Da hat eine Frau von der Montagsdemo die Richterin Barbara Salisch gespielt und hat in einer sehr witzigen nachgestellten Gerichtsverhandlung einen Montagsdemonstranten mit Gerhard Schröder Maske zu lebenslänglich 1€-Job verurteilt.
Irgendwann hat die Regierung trotzallem Wiederstand das Hartz IV-Gesetz eingeführt.
Danach haben viele Leute gesagt es lohnt sich nicht zu demonstrieren, weil die Regierung so wieso immer das macht was ihr gefällt.
Daraufhin sind deutlich weniger Leute auf die Straße gegangen, was ich schade finde, weil ich der Meinung bin wenn man mit seiner Regierung nicht einverstanden ist sollte man das regelmäßig und deutlich auf der Straße zeigen.
Eigentlich müßten die Leute daraufhin erst richtig sauer werden und verstärkt demonstrieren. Doch unerklärlicher Weise geschah das genaue Gegenteil und jeden Montag waren wir weniger. Das ist natürlich auch ein Bißchen unfair gegenüber dem Erfinder Peter Hartz und Politikern wie Schröder, Merkel und Co., weil wie sollen solche Leute denn erfahren, dass sie eine beschissene Politik machen, wenn es immer weniger Widerstand gegen sie gibt. Die müssen sich doch dann erst recht bestätigt fühlen.
Während uns immer mehr Leute den Rücken kehren bildete sich ein kleiner eiserner Kern.
Es war zwar sehr schade, dass so viele Leute nicht mehr gekommen sind, aber es hatte auch zwei kleine Vorteile:
- Die verbliebenen Demonstranten waren jetzt erst recht wütend und zu fast allem bereit.
- Es war zum erstenmal möglich bei kurzen Diskussionen brauchbare Einigungen zu finden, weil die Leute denen die Sache nicht so wichtig war zu Hause geblieben sind. Nämlich die eher unpolitischen Mitläufer haben nie so richtig verstanden, dass es praktisch ist, wenn man nacheinander redet und seinen Vorgänger ausreden lässt. Sie waren wahrscheinlich der Meinung, das man schneller zum Ergebnis kommt, wenn alle durcheinander schreien. Dadurch konnten wir uns in nur einer Vollversammlung auf Folgendes einigen:
Es wurde festgestellt, dass es uns leider nicht gelingen war die Hartz IV- Gesetze zu verhindern. Deshalb war es auch nicht mehr zeitgemäß, das wir uns “Montags gegen 2010” nannten. Wir einigten uns auf “Berliner Bündnis Montagsdemo”.
Was jetzt kommt möchte ich nur ganz kurz anreißen, weil noch Bericht entsteht mit dem Titel: die Spaltung der Montagsdemo.
Die Führung von Attac gab folgende Presseerklärung raus:
Weil die deutsche Regierung trotz unserer Kritik Hartz IV eingeführt hat, macht es keinen Sinn mehr dagegen auf die Straße zu gehen. Deshalb werden mit sofortiger Wirkung alle Montagsdemos eingestellt.
Auf allen öffentlichen Sendern und besonders beschissenen Privatsendern wurde darüber berichtet.
Auch alle sehr schlecht geschriebenen Zeitungen, wie z.B. BZ, Bild, Berliner Kurier usw., um nur die wichtigsten zu nennen, haben eine Woche nur eine Schlagzeile gehabt; Das offizielle Ende aller Montagsdemos in ganz Deutschland.
Leider haben das viele Leute geglaubt, was die Medien berichtet haben und nächsten Montag sind deutlich weniger Demonstranten gekommen.
In den folgenden Jahren haben die Medien gar nicht oder wenn überhaupt nur sehr negativ über die Montagsdemo berichtet.
Eine andere Sache habe ich fast vergessen zu berichten.
Die Ordnertruppe hat sich regelmäßig im Treff versammelt. Wir haben dann kritisch die Situationen von mehreren Montagsdemos besprochen und gemeinsam erarbeitet was man in Zukunft in einer ähnlichen Lage besser machen kann. Aber was noch wesentlich effektiver war, wir haben uns hin und wieder eine Halle gemietet und uns mit einem Kampfsport erfahrenen Montagsdemonstranten ein Bisschen trainiert.
Ich habe oft einen gewaltbereiten Störer gespielt, der mit allen Mitteln von der Lautsprecheranlage fernzuhalten war.
Wir haben uns vorgestellt, das an einem bestimmten Punkt in der Halle die Anlage steht und die anderen haben dann alles versucht das ich diesen Punkt nicht erreiche. Erschreckender Weise habe ich diesen Punkt viel zu oft erreicht. Leider haben wir uns diese Halle immer seltener gemietet und irgendwann überhaupt nicht mehr.
Die Wichtigkeit der Demokratie
Wie ich am Anfang des Berichts schon erwähnt habe, wollte und konnte ich mit vielen Zielen der ganz linken Montagsdemonstranten nicht ganz so viel anfangen. Weil es mich politisch nicht in die gleiche Richtung gezogen hat, verspürte ich auch keine große Lust mit diesen Leuten zu diskutieren, was ich aus heutiger Sicht etwas schade finde.
Ich kann mich heute noch an eine der ersten Vollversammlungen erinnern, die ich besucht habe, wo die wichtigen Grundsätze besprochen wurden, was ich heute auch richtig finde. (Damals waren die Besprechungen auch deutlich chaotischer, als heute). Jedenfalls habe ich durch heimliche Blicke auf meine Uhr erfahren, dass fast eine Stunde über ein paar Wörter in den Grundsätzen ohne ein greifbares Ergebnis gestritten wurde. Stunden später, als ich reichlich genervt und auf einige Leute auch etwas sauer war, habe ich die größte Fehlentscheidung bis heute in der Montagsdemo getroffen.
Ich habe beschlossen, dass ich mich nicht mehr mit Leuten an einen Tisch setze, die bereit sind sich eine Stunde über drei Worte zu streiten und anschließend ohne Einigung auseinander rennen um sich beim nächsten Mal wieder über den gleichen Punkt zu streiten.
Die Einzigen, die mir damals richtig Spaß gemacht haben, waren die Ordnerversammlungen. Vielleicht, weil nicht soviel theoretisch gefaselt worden ist und nur praktische Dinge besprochen wurden.
Am Ende der Ordnerversammlung wurde ich von der Teamleiterin des Lautsprecherwagens angesprochen, warum ich nicht mehr zur Nachbesprechung oder Vollversammlung gehe.
Ich habe geantwortet:
Die allgemeine Ausrichtung der Montagsdemo gegen Hartz IV, gegen Sozialabbau und gegen die böse Regierung finde ich grundsätzlich gut, auch wenn ich mit den ganz linken Demonstranten nicht immer einer Meinung bin.
Aber ich berichtete von der einen besonders nervigen Vollversammlung und meiner Entscheidung, das ich in Zukunft daran nicht mehr teilnehmen will.
Weil ich die Sache gut finde möchte ich weiterhin die Montagsdemo als Ordner, Lagerverwalter und beim Auf- und Abbau voran bringen.
Die Frau lachte und antwortete mir, dass sie mich gut verstehen kann und das die praktische Arbeit auf der Straße wichtiger ist, als das endlose Diskutieren, sowie es schon seit langem im Stadtteilkomitee Marzahn praktiziert wird.
Als ich zum Erstenmal im Stadtteilkomitee war hat mir die gleiche Frau gesagt, dass sie mich gut versteht, das ich nicht mehr an solchen Diskussionen teilnehmen will.
Leider wird erwartet, dass auch die Ordnerteamleiterin vom Lauti an solchen stressigen Diskussionen teilnehmen soll.
Sie hat mir angeboten in Zukunft meine Lagerliste vor Festen abzugeben und mich in fünf Minuten zu informieren, was in fünf Stunden beschlossen wurde.
Was ich dankten annahm.
Heute weiß ich, dass das ein Fehler war.
Und zwar aus zwei Gründen:
- Die Montagsdemobewegung ist die mächtigste Protestbewegung die es jemals in Deutschland gab und ich finde es wichtig und richtig, dass jeder Teilnehmer auf antifaschistischer und demokratischer Grundlage ein bisschen mitentscheiden kann, was sie Zukunft bei der Demo passiert. Bei aller Kritik an Bild, BZ und anderen sollte man niemals vergessen, wenn die Montagsdemo einmal untergehen würde, könnten für 90% der Bevölkerung die Worte wie “Wohlstand” und “sozial” Fremdworte werden.
Ich war damals so blöd und habe auf mein Mitbestimmungsrecht freiwillig verzichtet.
- Ausgerechnet die Frau, die mich informiert hat war sehr überzeugend, aber vielleicht nicht im positiven Sinn, eher wie eine Sektenführerin. Heute glaube ich, dass sie die Demo spalten wollte um über ihren Teil der Demo zu herrschen.
Der große Streit
Beim nächsten Stadtteiltreffen in Marzahn erklärte die Teamleiterin vom Lautsprecherwagen, dass sie in Zukunft ihre eigene Montagsdemo machen will und das ihre Demo bald größer sein wird, als die echte Montagsdemo. Der Materialverwalter und ein witziger Redner der Montagsdemo schlossen sich gleich an. Nachdem ich gesagt habe, dass ich immer zur echten Montagsdemo gehen werde. Ich muss mich entscheiden zwischen der neuen Montagsdemo oder der echten Montagsdemo. Sollte ich mich entscheiden nicht mehr zur echten Demo zu gehen, werde ich jederzeit mit offenen Armen bei der neuen Demo empfangen.
Daraufhin bekam ich von der Chefin der neuen Demo ihre Ordnerbinde und vom Materialverwalter bekam ich den Kellerschlüssel und seine Ordnerbinde. Außerdem sollte ich einen schönen Gruß mit folgender Nachricht bestellen:
„Die Montagsdemo ist zu undemokratisch zu kommunistisch und außerdem MLPD gesteuert, deshalb sind zwischen den Marzahnern und der Montagsdemo unüberwindbare Spannungen aufgetreten, so dass in Zukunft keine Zusammenarbeit mehr möglich ist. Montagsdemonstranten die endlich denken sind jedoch jeder Zeit bei der neuen Demo willkommen.“
Ich persönlich war schwer geschockt und traurig, als ich nachhause gefahren bin.
Außerdem vermisse ich die Leute bis heute und würde mich sehr freuen, wenn sie eines Tages auf unserer Montagsdemo auftauchen werden.
Der Rückgang der Teilnahmerzahlen und die Auswirkungen bis heute
Leider ging die Zahl der Montagsdemonstranten in der nächsten Zeit immer mehr zurück. Deshalb hat sich auch das Stadtteilkomitee irgendwann aufgelöst.
Durch den Rückgang der Teilnehmerzahlen kam auch immer weniger Geld in die Spendendosen, sodass wir uns schweren Herzens dazu entscheiden mussten auf den Lautsprecherwagen zu verzichten.
Glücklicherweise hat ein Montagsdemonstrant einen PKW mit Anhänger auf der Demo gefahren. So konnten wir wenigstens einer kleiner Generator und zwei Lautsprecher nutzen. Auf diese Weise haben wir weniger eine Art Minilautsprecherwagen gehabt.
Leider ist der Montagsdemonstrant mit dem Auto und dem Anhänger irgendwann auch nicht mehr auf die Montagsdemo gekommen und wir sind leider bis heute dazu gezwungen, nur noch mit einer Ziehkarre zu demonstrieren.
Trotzdem leisten wir uns bei der Bundesweiten Montagsdemo einmal im Jahr und zu anderen Gelegenheiten hin und wieder einen richtigen Lautsprecherwagen.
Obwohl in der kommenden Zeit die Arbeitslosigkeit und die Armut stiegen kamen immer weniger Leute zur Montagsdemo. Wir beschlossen nur noch eine Kundgebung an der Weltzeituhr zu machen.
Es gab die Idee wenn die Montagskundgebungen an verschiedenen Orten stattfinden könnten uns neue Leute entdecken und langfristig unseren Kampf unterstützen.
Ich persönlich weiß nicht mehr die genaue Reihenfolge aber am ersten Montag im Monat waren wir an der Weltzeituhr.
Am zweiten Montag U+S-Bahnhof Frankfurter Allee vor dem Ringcenter. Am dritten Montag U-Bahnhof Warschauerstr. Am vierten Montag Rathaus Neuköllen.
Leider ging das Konzept nicht ganz auf, weil an den neuen Standorten keine weiteren Mitstreiter gefunden werden konnten und Leute die vergeblich zur Weltzeituhr gekommen waren teilweise nie wieder zur Montagsdemo gegangen sind.
Deshalb wurden bald darauf nur noch an der Weltzeituhr demonstriert. Manchmal ziehen wir an ersten Montag im Monat laut trommelnd über den Alexanderplatz.
Es wurde ein Kurs angeboten, wo man lernt konnte selber am Mikrophon zu sprechen und zu moderieren.
Dadurch ist die Montagsdemo wesentlich interessanter und professioneller geworden und wir haben neue Leute als Moderatoren und Redner gewinnen können.
Ich habe auch die Angst vor dem Mikrophon allmählich verloren und auf zwei Großdemos gesprochen.
Man hat festgestellt, dass unsere Internetseite ein bisschen traurig aussah. Seitdem sich Wilhelm um das Internet kümmert ist alles perfekt und immer aktuell. Ich persönlich bin begeistert, dass Wilhelm trotz Umzug und Ausbildung unsere Seite so toll betreut und es wäre schön, wenn wir unserem Webmaster auch bei der nächsten Bundesweiten Demo wieder persönlich sehen könnten.
Vor kurzem waren die 20 Jahrestage des Mauerfälle der auch auf der Montagsdemo behandelt wurde.
Aber sollte die Montagsdemo nicht mehr in die Zukunft schauen als ewig über die beiden untergegangenen Länder DDR und BRD zu diskutieren.
Obwohl die Arbeit der KG sehr gut war bin ich von 3 Personen besonders begeistert:
- Mein Kumpel Carsten Petersen der uns unseren Bündnisbären so toll gezeichnet hat.
- Hans der für uns alle schlecht gemachten Medien konsumiert und uns auf seine ganz spezielle witzige und kämpferische Art erzählt was in der letzten Woche geschehen ist.
- Susanne, die mich motiviert hat zu schreiben und trotz meiner katastrophalen Rechtschreibung alles digitalisiert.
Mein persönliches Fazit
Als ich vor 4 Jahren zur Montagsdemo gekommen bin, war alles ganz einfach. Ich habe an den Kapitalismus geglaubt und das damals noch in Planung genesende Hartz IV-Gesetz kritisiert.
Heute glaube ich nicht mehr an der Kapitalismus und obwohl ich dieses Jahr mit der MLPD zweimal auf Wahlkampftour war glaube ich auch noch nicht an der Sozialismus. Bin ich also Links oder nicht?
Vielleicht brauch ich aber nur weitere 4 Jahre Montagsdemo um herauszufinden, wo ich persönlich politisch stehe.
Bis bald Euer Montagsdemonstrant Patric Bosse
|